Donnerstag, 17. September 2015

Sozialer Aufstieg?

Kaum ein Artikel der sich mit sozialer Gerechtigkeit und Bildung beschäftigt, der nicht immer die gleiche Argumentation verfolgt. Kinder wohlhabender Eltern machen häufiger Abitur und haben später die besseren Jobs. Das läge am unfairen System. Insbesondere Kinder aus Migrantenfamilien oder Arbeiterkinder seien benachteiligt.


Diese Argumentation ist falsch - in vierlerlei Hinsicht. Zuerst basiert sie auf der Annahme der Gleichheit. Man nimmt gleiche kognitive Voraussetzungen bei Kindern an. Tatsächlich ist Intelligenz erblich sowie erworben - das allerdings weitgehend vor der Einschulung. Folglich dürfte man nur Kinder mit gleichem IQ vergleichen. In den ganzen Erhebungen die die vermeintliche Ungerechtigkeit aufdecken fehlt dies. Wie groß also die Ungleichbehandlung ist, kann man kaum sagen. Wie erwähnt sind weite Teile der Intelligenz erblich. Da Intelligenz und beruflicher Erfolg zusammenhängen, verwundert es kaum, dass wohlhabende Eltern eher intelligentere Kinder haben.
Vermutlich werden die größten Teile der Ungleichheit dadurch aufgehoben. Insbesondere durch die hohe Abiturientenquote (teilweise über die Hälfte eines Jahrgangs) lässt kaum Raum für unterschätzte Schüler.

Dennoch gibt es Unterschiede im Detail. So werden bei Kindern bei denen die Schulempfehlung unsicher ist, gut Akademiker eher aufs Gymnasium drängen, während Arbeiter die Realschule gut heißen. Dies dürfte allerdings nur für eine sehr geringe Menge relevant sein. Bei der Mehrheit der Schüler ist die Empfehlung eindeutig.

Und später? Nach dem Abitur werden die Unterschiede größer. Mit Abitur ist schließlich erstmals kognitive Chancengleichheit vorausgesetzt. Dennoch steigen Arbeiterkinder in geringerem Umfang auf. Die Gründe dafür liegen weniger in einer Diskriminierung - an der Hochschule kennt kein Dozent die Herkunft. Viel mehr kommt es zu einer Selbstselektion und veränderten sozialen Startbedingungen.
Arbeiterkinder wählen häufiger klassische prestigeträchtige Berufe, während Akademikerkinder auch in vielen anderen Studiengängen zu finden sind. Durch die besseren ökonomischen Startbedingungen können Akademikerkinder risikofreudiger und inhaltsvoller ins Berufsleben starten - eine Voraussetzung für Aufstieg. Dennoch kein Grund zur Sorge: Die studierten Arbeiterkinder werden eines Tags ebenfalls Akademikerkinder haben...