Donnerstag, 12. Februar 2015

Frauen bleiben kürzer in Vorständen

Die Meldung ist bekannt:
Wenn Frauen mal in eine Führungsposition kommen, bleiben sie nicht lang. Viele gehen innerhalb kürzester Zeit. Statistisch bleiben sie noch nicht mal halb so lang wie ihre männlichen Kollegen.


Gründe dürfte es zwei geben (die ein wenig zusammen hängen):

Der erste betrifft Männer genauso, geht aber bei denen in der Masser eher unter. Dazu muss man betrachten wann ein Arbeitsplatz in der Chefetage frei wird. Das ist typischerweise der Ruhestand der FK oder ein Rauswurf. Gerade letzteres kommt in Großkonzernen oft vor. Wenn der Umsatz zurück geht und die Zahlen rot werden, wollen die Aktionäre eine Lösung sehen. Typischerweise ist das ein neues Gesicht in der Führungsetage. Dummerweise liegt das Problem des Konzerns oft nicht wirklich bei der gekündigten Kraft - daher ändern sich die Konzernzahlen nicht schnell genug. Da die Aktionäre aber sofort eine Veränderung wollen wird erneut gekündigt. Bei manchen Konzernen gibt es gefühlt monatlich eine Meldung über einen Wechsel im Führungskreis.
Wenn ein Unternehmen nun also mehr Frauen in Führungspositionen will, kann es diese natürlich nur auf freie Posten setzen - Ergebnis wie oben.
Prinzipiell haben Männer das gleiche Problem - hier fällt es weniger auf, weil die Statistik von den langfristig besetzten Posten dominiert wird.


Der zweite Grund hängt stark am ersten dran. Grundsätzlich möchte man Frauen fördern. Das hat man vor ein paar Jahren erkannt und unternimmt da auch einiges. Allerdings ist die Unternehmensspitze dominiert von Managern jenseits des 50. Lebensjahrs. Der Führungsnachwuchs ist mindestens Mitte vierzig. Also die Mitarbeiter, die vor 30 Jahren ihr Studium begonnen haben. In der Industrie hat man da besonders gerne Ingenieure (neben BWLern). Vor 30 Jahren hat allerdings kaum eine Frau ein technisches Fach studiert - und selbst wenn wurde sie damals kaum gefördert.
Frauen sind für Aufsichtsräte und Managementposten hoch begehrt, allerdings gibt es fast keine. Derzeit gibt es zwei Frauen denen man in Deutschland die Position eines technischen Aufsichtsrat zutraut. Beide sind bestens versorgt.
Genau das dürfte der Grund für das häufige Scheitern sein. Wenn es offenbar kaum hinreichend qualifizierte Frauen auf dem Arbeitsmarkt gibt, aber trotzdem Stellen besetzt werden sollen, muss man auf eher weniger Qualifizierte zurückgreifen.
Gerade in Krisensituationen wird es besonders deutlich. Oft wurde bereits durch vorherige Wechsel der hochqualifizierte, konzerninterne Nachwuchs verbrannt. Man greift dann auf die zweite Reihe (also weniger erfahrene Kräfte aus dem mittleren Management) oder externe Bewerberinnen (die den Konzern und oft auch die gesamte Branche) nicht kennen zurück. Es fällt an diesen Stellen immer wieder auf, dass die vorgestellten Managerinnen erstaunlich jung sind (teils keine vierzig Jahre alt).

Es verwundert natürlich nicht, dass eine Frau mit weniger Erfahrung und ohne Branchenkenntnis nicht mit den viel erfahreneren männlichen Kollegen mithalten kann.


Eine Lösung für das Problem? Gibt es nicht. Viele Frauen hätte man erst ein paar Jahre später rekrutieren sollen. Dann hätten die Konzerne ein gutes Aushängeschild gehabt. So werden Frauen mit viel Potenzial verbrannt, denn nach einem öffentlichen Rauswurf hat es eine Frau ähnlich schwer wie ein Mann woanders Fuß zu fassen.