Samstag, 30. Mai 2015

Oh nein! Schlimmer Geburtenrückgang!

Es gibt wieder eine neue Studie die den Geburtenmangel in den Diskurs stellt
http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/arbeitskraeftemangel-droht-wegen-geringer-geburtenrate-13618671.html

Zum einen ist diese ein schönes Beispiel wie man mit Zahlen Menschen verwirren kann. In Deutschland kommen jährlich 8,2 Geburten auf 1000 Einwohner. Im Niger sind es 50! Rein zufällig vergisst man dabei die Werte um Kindersterblichkeit und die generelle Lebenserwartung zu korrigieren. Eine tatsächliche Geburtsquote je gebährfähiger Frau wäre hier das sinnvollere Maß.

Tatsächlich ist Deutschland aber trotzdem am unteren Ende der Geburtsrate. Allerdings liegen auch viele andere Industriestaaten unter 10 Kindern je 1000 Einwohner. Um die Bevölkerungszahl konstant zu halten, wären in etwa 12 Neugeborene pro Jahr und 1000 Einwohner nötig. In Europa schaffen das nur Frankreich, Großbritannien und Irland.



Da stellen sich mehrere Fragen: Ist das ein Problem? Was sollen wir dagegen machen?


Ein Problem ist dies grundsätzlich schon. Unser Rentensystem basiert auf einem Bevölkerungswachstum und qualifizierte Arbeitnehmer werden in Zukunft fehlen. Im ländlichen Raum werden Orte nahezu aussterben.

Gegen die Abwanderung vom Land hilft allerdings auch eine hohe Geburtenquote nicht. Genauso ist ein auf Bevölkerungswachstum basierendes Rentensystem zum Scheitern verurteilt. Hier sollte man eher das System ändern.

Im Bezug auf Arbeitsplätze ist das Problem allerdings durchaus schon heute spürbar. Betrieben fällt es zunehmend schwerer qualifziertes Personal zu bekommen. Abhilfe versprechen mehrere Möglichkeiten. Als erstes sollte man dringend in Bildung investieren. Wir klagen über Fachkräftemangel, akezptieren aber eine jährliche Ausfallrate von 10% der Schulabgänger. 10% die zu schlecht qualifziert sind um als Fachkraft geeignet zu sein. Hier sollte man ansetzen und die Quote senken. Allein dadurch ließe sich das Problem erheblich abmildern. Jedes Prozent das als berufsfähig eingestuft wird, entspricht 10.000 Arbeitskräften. Ausgleichen kann man damit allerdings den geburtenrückgang nicht.
Man kann dann entweder massiv auf Familienpolitik oder auf Migration setzen. Ersteres ist nur in gewissen Grenzen sinnvoll. Es ist erstrebenswert durch eine verbesserte Familienpolitik (Kitaplätze, Ganztagsbetreuung) Familien zu ermöglichen Kinder zu bekommen. Viele Familien wären unter diesen Umständen bereit mehr Kinder als bislang zu großzuziehen.

Der andere Punkt ist definitiv Migration. Diese bietet viele Vorteile, jedoch auch Risiken. Weshalb sollen wir viele Milliarden an Steuergeldern in Kinderbetreuung stecken, wenn Fachkräfte zu uns kommen wollen? Für uns ist dies günstig und einfach. Man muss lediglich so viele Migranten haben, wie man braucht. Die Risiken liegen in der Integration. Wenn man dieses Thema strukturiert angeht, kann eine erfolgreiche Integration sichergestellt werden.
Nur ein großes Problem entsteht dadurch. Nicht bei uns, sondern in den Herkunftsländern. Wenn die Fachkräfte das Land verlassen, bleiben die Unqualifizierten in der Heimat. Insbesondere Schwellenländer werden so ausgebeutet, da sie erst in Bildung investieren, dann aber die besten Kräfte verlieren. Andererseits sehen es viele Nationen als eine Chance. Die Migranten unterstützen durch Überweisungen ihre Familie in der Heimat und kurbeln so die heimische Wirtschaft an.

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