Montag, 6. Mai 2013

Wie die Drosselcom dreifach kassieren kann

Die Telekom hat angekündigt ab 2016 eine Volumenbegrenzung für ihre Festnetztarife einzuführen. Dies wären 75gb im Monat für einen normalen DSL Anschluss und 200gb monatlich für einen schnellen VDSL-Anschluss (nur in wenigen Gebieten verfügbar).

Man muss der Telekom an dieser Stelle gratulieren. Die heutige Ankündigung lässt viele Bürger kalt - das Problem scheint wen nicht zu betreffen. 2016 wird es anders aussehen. Einige Gründe warum die Drosselung doch alle betrifft - sogar Kunden die gar nicht bei der Telekom sind.

  • Der Traffic ist sowieso schnell aufgebraucht. 75gb klingen erstmal viel - nur mit ein paar Mails und Websites verbraucht man keine 5gb im Monat. Allerdings sieht die Rechnung ganz anders aus wenn mehr als eine Person mit mehr als einem Gerät den Anschluss nutzt. Eine vierköpfige Familie mit mehreren Endgeräten (Handy im WLAN) kann schon mit mäßiger Nutzung heute an die 75gb rankommen. Zwar brauchen Websites wenig Traffic - aber Videos dafür umso mehr. Wer also öfters Videos auf Youtube in hoher Auflösung sieht kann schon bei einstündiger Nutzung mehrere Gigabyte verbrauchen. Also einer Familie die auch Videos im Internet sieht werden 75gb nicht reichen. Möglicherweise noch nicht einmal 200gb.
  • Der Bedarf steigt. Während vor 10 Jahren der gewöhnliche User maximal ein Gigabyte im Monat verbraucht kann ein einzelner ambitionierter Nutzer heute locker über 100gb im Monat verbrauchen. Multimediaangebote nehmen somit immer weiter zu. Der neueste Trend ist die Fernseh- und Filmübertragung über das Internet. Hier kommen für einen Film im zukünftigen 4K-Format locker 50gb zusammen. Für einen einzigen Film wohlgemerkt. Der User auf dem Land könnte keine zwei Filme im ganzen Monat sehen. Das ist heute noch eine Randerscheinung - wird jedoch voraussichtlich in den kommenden Jahren den klassischen Fernsehmarkt verdrängen.
  • Die Telekom verzerrt den Markt. Man möchte die Netzneutralität aufheben. Netzneutralität bedeutet, dass jeder Datensatz der irgendwie versendet wird absolut gleichwertig ist. Nichts ist schneller oder langsamer. Die Telekom bietet jetzt Unternehmen an gegen Geld ihre Website nicht in den Trafficverbrauch einfließen zu lassen. So hat das telekomeigene Fernsehprodukt "Entertain" einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz die bei einer Drosselung - die durch Fernsehen schnell erreicht wird - ihr Produkt nicht dem Kunden anbieten könnten. Entertain wird dann weiterhin verfügbar sein.
  • Man nötigt die Konkurrenz zur Drosselung. Sicher man kann den Internetanbieter wechseln. Nur wird dies nicht möglich sein. Wenn die Telekom drosselt werden natürlich die Kunden wechseln die von der Drosselung als erstes betroffen sind. Dies sind kostenintensive Kunden. Sie nutzen das Netz voll aus im Gegensatz zu Kunden die den Internetanschluss fast nie nutzen. Um sich also vor den teuren Kunden zu schützen werden auch die anderen Anbieter die Drosselung einführen.


Insgesamt findet die Telekom so den Weg gleich dreifach abzukassieren. Zuerst beim Kunden. Der zahlt weiterhin einen gleich hohen Preis für seinen Internetanschluss. Kommt er in die Drosselung muss er erneut Geld zahlen um die Drosselung aufzuheben. Hier wird also schon das zweite Mal kassiert obwohl dies technisch nicht nötig wäre. Das dritte Mal ist die indirekte Form. Wenn Streamingdienste (Filme, Fernsehen usw.) in Deutschland weiterhin Kunden haben möchten müssen sie der Telekom Geld zahlen um eine schnelle Durchleitung zu erhalten. Diese Kosten werden natürlich auch auf die Kunden umgelegt.

Man kassiert jetzt also dreimal sehr viel Geld - um eine Leistung zu erhalten die dann immer noch weit unter dem Niveau anderer Staaten liegt.