Sonntag, 3. Februar 2013

Haben wir einen Fachkräftemangel?

Immer wieder kommen Meldungen zu einem Fachkräftemangel in Deutschland. Gleichzeitig kommen Beschwerden über eine sinkende Geburtenrate und über eine hohe Arbeitslosigkeit. Wie passt dies alles zusammen?

Gibt es also einen Fachkräftemangel?
Jein. Einen generellen Fachkräftemangel gibt es in Deutschland nicht. Es studieren so viele Menschen wie nie zuvor und fast alle anderen schließen eine Berufsausbildung ab. Die Arbeitslosigkeit unter Fachkräften ist bundesweit betrachtet allerdings auch recht gering. Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung haben nur einzelne Unternehmen. Es sind oftmals hoch spezialisierte Unternehmen die ein sehr ungewöhnliches Anforderungsprofil haben. So werden derzeit händeringend Ingenieure/Maschinenbauer mit Erfahrung im Windenergiesektor gesucht. In solch engen Berufsfeldern entstehen schon immer schnell Engpässe. Insgesamt arbeiten in solchen Bereichen recht überschaubare Personengruppen - kommt es dann zu einem Branchenwachstum gehen sehr schnell die Arbeitsuchenden aus. Umgedreht kann es die Bewerber jedoch genauso treffen. Lange Zeit hat die Solarbranche dringend nach Fachkräften gesucht - jetzt ist sie stark am Schrumpfen und der Arbeitsmarkt ist mehr als gesättigt. Ebenfalls Probleme können durch einen regionalen Bezug entstehen. So gibt es in Deutschland ganze Landkreise die ihre freien Stellen nicht besetzen können. Im Süden Deutschlands gibt es Landkreis mit rund 1% Arbeitslosigkeit in der Bevölkerung, während in anderen Kreisen Deutschlands Arbeitslosenquoten von über 20% existieren. Das verbliebene Prozent in den bayrischen Kreisen wird aus nicht vermittelbaren Arbeitslosen bestehen. Selbst Hilfsarbeiter sind dort kaum zu bekommen. Von Akademikern wird eine hohe Mobilität erwartet - allerdings wollen auch diese oft nicht in den ländlichen Raum in dem sie im Zweifel keine neue Stelle mehr finden würden. Diese Probleme können Arbeitgeber durch attraktive Jobangebote ausgleichen. Schwerer wiegt das Problem bei Arbeitskräften mit einer Berufsausbildung. Die Bereitschaft 300km weit für einen neuen Job umzuziehen ist nur bei den Wenigsten gegeben.

Was ist mit dem demographischen Wandel?
Dieser existiert zweifelsfrei und wird in Zukunft unsere Arbeitswelt verändern. Es wird voraussichtlich nicht weniger Akademiker geben als zuvor, da der Anteil eines Jahrgangs mit Studienabschluss immer weiter steigt. Eher wird es Probleme geben Facharbeit und Hilfskräfte zu bekommen. Schon heute nimmt dort die Anzahl qualifizierter Bewerber immer weiter ab. Ein bedeutender Teil eines Jahrgangs (5-10%) ist nur sehr schlecht gebildet - diese müsste man in Zukunft mehr fördern. Die sinkende Bevölkerungsgröße wird sich jedoch positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken. Sollten tatsächlich Personalengpässe bei den Unternehmen entstehen haben wir jede Menge interessierte Arbeiter aus dem Ausland die sich über einen Arbeitsplatz freuen würden. Spanien hat heute eine Jugendarbeitslosigkeit von 50%. Andere Südländer stehen kaum besser da. Bei einer Aussicht auf eine Festanstellung wären viele sicher bereit in Deutschland zu arbeiten. Und so leisten wir einen Beitrag zur Verringerung der Arbeitslosigkeit in Europa und der weltweiten Überbevölkerung.