Donnerstag, 8. November 2012

Warum der Mindestlohn sein muss

Immer wieder gibt es Debatten zum Thema Mindestlohn. Wie hoch muss er sein? Schadet er nicht mehr als er nutzt? Gibt es dadurch gar mehr Arbeitslose?

Brauchen wir einen Mindestlohn?
Ja! In vielen Branchen werden die Löhne systematisch gedrückt. Durch diese Lohndrückerei gibt es viele Tausend Aufstocker - wir finanzieren durch unsere Sozialabgaben also die Niedriglöhne in ganzen Branchen. Viele Arbeitgeber würden gerne mehr zahlen, der Konkurrenzdruck lässt dies jedoch nicht zu. Würde nur ein Anbieter die Löhne erhöhen, würde er preislich über der Konkurrenz liegen und so viele Aufträge verlieren. Natürlich kann man diese Effekte durch Tariflöhne abbremsen, aber gerade im Niedriglohnbereich sind Tariflöhne die Ausnahme - zu breit ist das Berufsspektrum.

Welche Höhe sollte er haben?
Je nach Institution werden Mindestlöhne zwischen 7€ und 15€ gefordert. Generell sind hohe Mindestlöhne zwar löblich, allerdings sind sie realitätsfremd. Mit einem Mindestlohn von 15€ würde fast jeder Arbeitnehmer eine Gehaltserhöhung bekommen - denn wenn 15€ Mindestlohn ist, arbeitet kaum noch jemand mit Berufsausbildung oder Studium freiwillig für weniger als 20€ die Stunde. Das Resultat wäre eine wahre Preisexplosion in vielen Bereichen. Die Konsequenzen für die Wirtschaft wären unabsehbar.
7€ hingegen wäre sehr niedrig. Kaum ein Arbeitnehmer würde dadurch erfasst werden.
Mein Vorschlag liegt bei 8€ pro Stunde. Das wären 1200-1280€ brutto im Monat für eine Vollzeitbeschäftigung. Das reicht gerade so zum Leben für einen Single. Das ist zwar wenig würde dennoch schon viele Branchen treffen. Die Leute die derzeit weniger verdienen - aber auch die die bislang kaum höhere Gehälter bekamen sind in einer besseren Verhandlungsposition. Durch diesen gemäßigten Mindeslohn hätten Unternehmen etwas Zeit ihre Kostenkalkulationen anzupassen. Genauso könntem man für die folgenden Jahre beobachten wie sehr die Lebenshaltungskosten durch den Mindestlohn steigen. Nach einigen Jahren Beobachtungszeit (ca. 5 Jahre) sollte man den Mindestlohn auf 9€ erhöhen.


Ist es nicht besser den Mindestlohn regional festzulegen?
Nein. Der bürokratische Aufwand wäre enorm und die Transparenz würde deutlich leiden. Einige Leute würden durch eine strategisch günstige Standortwahl die Löhne wieder drücken. Außerdem würden so Bewohner strukturschwacher Regionen für die schlechte Infrastruktur entschädigt.

Der Mindestlohn schafft Arbeitslosigkeit!
Auch das stimmt für die meisten Branchen nicht. Das Argument der dadurch steigenden Automatisierung kommt für viele Branchen nicht in Frage. In der Industrie gibt es kaum Niedriglöhner - die meisten sind Dienstleister. Paketfahrer oder Frisöre lassen sich nicht durch Maschinen ersetzen. Gleiches gilt für das Argument der Abwanderung ins Ausland. Der Frisör wird vor Ort gebraucht und kann nicht abwandern.
Da die Arbeit in aller regel auch weiterhin erledigt werden muss, wird sich nicht viel ändern. In einigen Betrieben wird sich die Mitarbeiterstruktur jedoch ändern. Ein Großteil der Niedriglöhner haben - entgegen der landläufigen Meinung - hat gar keine Vollzeitbeschäftigung sondern nur einen Minijob. So arbeiten viele Frisöre für 400€ im Monat und das 60-70 Stunden im Monat. Dadurch wird der Kündigungsschutz umgangen und die unternehmerische Flexibilität ausgebaut. Nicht zuletzt spart man bei den Sozialabgaben. Nur dadurch werden dann auch die Löhne von stellenweise nur 6€ pro Stunde für das Personal erträglich. Durch einen Mindestlohn von 8€ wären jedoch nur noch maximal 50 Stunden im Zuge eines Minijobs möglich. So müssten entweder mehr Minjobber beschäftigt werden - oder mehr Festangestellte in den Betrieb übernommen werden. Der Arbeitsmarkt würde sich also eher verbessern.

Es spircht also nichts gegen eine baldige Einführung eines Mindestlohn!