Samstag, 4. Juli 2009

Was ist Sozialismus?

Für mich persönlich bedeutet der Sozialismus viel mehr als nur die Einführung von Mindestlohn, Begrenzung der Managergehälter oder die Erhebung eines Spitzensteuersatzes für Bestverdiener. Der Sozialismus ist eine Überzeugung, die das gesamte Leben und Handeln eines Menschen in einer vielseitigen Gesellschaft durchzieht und völlig neu bewertet.

Sozialismus, das ist ein Wertesystem, in dem nicht das Streben nach mehr und mehr Reichtum an erster Stelle steht, sondern der Mensch mit seinen individuellen Fertigkeiten, Chancen und Problemen.

Sozialismus, das bedeutet, sich nicht immer an die Spitze setzen zu müssen, sondern auch zu verzichten, wenn dies zum Wohle unserer Mitmenschen geschieht.
Seine Egoismus zurückzuschrauben mag schwer fallen, ist es jedoch geglückt, belohnt das gute Gewissen diese Tat sofort.

Sozialismus, das bedeutet Frieden unter den Menschen.
In unserer heutigen Welt müssen Menschen ihr Leben lassen, weil sie Opfer von Macht- und Kapitalinteressen sind. Sie metzeln sich gegenseitig nieder, um ihre unersättliche Gier zu befriedigen.
Tagtäglich sehen wir in den Nachrichten Bilder, des Tamilen-Konflikts, der immer noch nicht vollständig gelöst ist, des Bürgerkriegs Burundis, wo sich Hutu und Tutsi bekämpfen oder des Nordirland-Konfliktes, der in letzer Zeit wieder aufflammt.
Aber auch der internationale Terrorismus, der sich von fundamentalistischen Gruppen wie Hamas, Hisbollah, Al-Quaida, der Taliban oder der Dschihad-Union nährt, basiert auf Machtgier und Intoleranz.
Doch nicht nur auf der politischen, sondern auch auf der privaten Ebene existieren Kämpfe um Einfluss und Reichtum.
Menschen sind eifersüchtig aufeinander, ihre Seelen werden von der eigenen Habgier zerfressen und ihr Egoismus lässt keinen Platz für ein Mitfühlen mit dem anderen; von Nächstenliebe kann also erst recht keine Rede sein.
Als tief überzeugter Sozialist und gläubiger, aktiver Christ ist es meine Pflicht, mich sowohl für den privaten als auch für den politischen Frieden einzusetzen.

Sozialismus bedeutet auch, sich nicht einfach mit politischen und sozialen Gegebenheiten, die man als Widerspruch zu den eigenen Überzeugungen und Werten auffasst, abzufinden.
Jeder Mensch muss das Recht haben, in Wort und Schrift seine Meinung kundzutun, solange es nicht die Würde eines anderen verletzt.
Für die Einforderung der eigenen Rechte ist es oftmals nötig, auf die Straße zu gehen oder sich an einem Streik zu beteiligen.
Wie sonst kann man etwas an seiner Situation verändern?
Die aktuellen Tumulte in Teheran zeigen deutlich:
Das Volk ist unbequem und unterschreibt nicht all die Lügen, die die angebliche "Gottesherrschaft" ihm präsentiert. Die Menschen gehen trotz Demonstrationsverbot auf die Straße und riskieren dabei ihr Leben. Für mich ist das der höchste Ausdruck des Non-Opportunismus.
Leider sind wir in Deutschland von dem Mut und der Tatkraft der Iraner weit entfernt.
Viele nehmen noch nicht einmal ihre ureigensten Demonstrationsrechte wahr.
Der Sozialismus braucht jedoch ein kritisches Volk, um den Aufbau einer neuen Gesellschaft überhaupt bewerkstelligen zu können.
Auch innerhalb einer sozialistischen Gesellschaft muss Kritik ein ewiger Anreiz zur Weiterentwicklung u. a. im Bereich der Politik sein und mithelfen, Lösungen für bestimmte gesellschaftliche Probleme gemeinsam zu finden.
Dass kritische Stimmen in der UdSSR und nach dem Zweiten Weltkrieg im gesamten Ostblock unterdrückt wurden, halte ich für einen der größten Fehler, die damals begangen wurden und den die "Sowjet"-Regierung in Moskau mit all ihren Mitläufern zu verantworten hatte. Ein gutes Beispiel für diese unterdrückten kritischen Stimmen im Ostblock ist der Prager Frühling 1968. Politiker wie Alexander Dubcek kämpften für einen humanen Sozialismus. Dies duldete Moskau jedoch nicht und ließ Panzer nach Prag rollen.
Ein politisches System lebt davon, dass es sich ständig reformiert, verbessert. Es müssen unbedingt Erfahrungen ausgetauscht werden, die in der politischen Realtiät eine Rolle spielen können.
Falls diese Interaktion nicht stattfindet, besteht die Gefahr, dass politische Ideen weniger, die möglicherweise noch über eine dominante Persönlichkeit verfügen, zu unabänderlichen Dogmen erklärt werden. Dies ist das Schädlichste, was einem politischen System geschehen kann.
Gegner dieser Dogmen werden "aus dem Weg geräumt" und der Weg für eine Herrschaft weniger, einer Oligarchie, geebnet.
So ist es in den Ostblockstaaten geschehen, jedoch auch schon Ende der zwanziger Jahre, nachdem Stalin in der Sowjetunion die Macht erhielt, alle Kommunisten der Welt auf sich einschwor und ungemütliche Genossen diffamierte, aus den Parteien drängte oder töten ließ.
Das Gefährliche hierbei war, dass sich nun die Macht in den Händen weniger konzentrierte, die allesamt den gleichen Kurs vertraten.
Da die politische Interaktion ausblieb, gab es keine andere Möglichkeit, die Mängel des Systems zu beheben, ja noch nicht einmal zu kritisieren.
Somit entfremdete sich die Staatsführung mehr und mehr von dem Volk, das sie eigentlich zu regieren hatte und übersah dessen Anliegen und Bedürfnisse.
Diese Tatsache verbunden mit einem Misstrauen gegen das Volk vonseiten der Staatsführungen der UdSSR und der Satellitenstaaten führten letztendlich zu einem Zusammenbruch des kompletten Systems.
Die politische Führung des "Realsozialismus" hatte sich somit ihre eigene Grube gegraben und ist hineingefallen.


Aber zurück zu dem Wertesystem Sozialismus, von dem ich zu Beginn sprach:
Finanzieller Reichtum darf keinesfalls an erster Stelle stehen.
Vor längerer Zeit berichteten die Medien über den Selbstmord des "Pharma-Imperium"-Besitzers Merckle. Er soll sich angeblich aufgrund der drohenden Insolvenz seines Unternehmens vor einen Zug geworfen haben.
Nun, ich kannte Merckle natürlich nicht persönlich und ebenso wenig seine sonstigen Lebensumstände, aber falls er sich tatsächlich allein aufgrund der drohenden Insolvenz für den Suizid entschied, ist dies ein Indikator dafür, wie der Kapitalismus, die Gier nach Reichtum, schön in die Wert- und Moralvorstellungen unserer Gesellschaft eingegriffen hat.
Ist denn ein Leben mit wenig Geld völlig wertlos?

Wir als Gesellschaft brauchen Moralvorstellungen, an denen wir uns orientieren können - und die bietet uns der Sozialismus.

Er vermittelt uns Solidarität.
Das bedeutet, dass wir immer ein offenes Ohr für die Freuden und Probleme eines Mitmenschen haben und ihm helfen, wo es nur geht. Man ist füreinander da, wenn man sich braucht.

Solidarität schweißt zusammen.
Sie lässt uns mit dem anderen empfinden, schafft Gemeinschaft, wenn Erlebnisse miteinander geteilt werden.

Solidarität lässt hoffen, dass auch uns in einer schwierigen Situation jemand beisteht, so, wie wir ihm beistehen würden.

Solidarität unter den Menschen bildet eine Kette, die, sofern alle gemeinschaftlich an einem Strang ziehen und ihren Überzeugungen treu bleiben, niemals durch äußere Einflüsse gestört werden kann. Sie dient als Bollwerk gegen alles, was das liebe- und friedvolle Miteinander dieser, zu einer Familie zusammengewachsenen Gruppe bedrohen könnte.


Aus diesen Gründen rufe ich auf, mit mir den Schritt zum Sozialismus zu wagen, auf dass wir uns für eine bessere, sprich gerechte und friedliche Welt einsetzen.

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