Samstag, 7. Juni 2008

Drei Tage Altenheim- Eindrücke

Als erstes: Ich bin immernoch überwältigt.

Ich war drei Tage lang im Altenheim. Die Schule meinte, man sollte sich mit sozialen Sachen auseinander setzen. Da ich nicht zur Polizei gehen wollte und auch nicht kreatives Schreiben lernen wollte entschied ich mich mit drei anderen Personen fürs Altenheim.

Ich versuche mal die Eindrücke nach Tagen zu schildern:
1.Tag (Mittwoch)
Morgens wird mit der Pfarrerin über alle vier Stockwerke gelaufen um allen Bewohnern einen "Guten Morgen" zu wünschen.
Anschließend haben wir an der "Bunten Stunde" teilgenommen. Da haben die alten Leute gesungen...
Eine Frau hat die ganze Zeit verkündet, dass sie nach Hause wollte. Später hat man mir erklärt, dass solche Personen, als unglückliche nicht Orientierte bezeichnet werden.
Außerdem haben wir den Raum angeguckt, in dem die Leichen aufgebarrt werden. Sehr bedrückend der Raum. Man kann den Tod schon spüren.

2.Tag (donnerstag)
An diesem Tag standen einzel Gespräche an.
Es war zunächst schwer eine Person zu finden, die gesitig noch so klar war, dass sie mir Antworten konnte. Die Eine (97) hat wem erzählt, wie wichtig es ist auswendig zu lernen. War aber recht interessant. Die anderen Beiden konnten mir leider nichts sagen.

3.Tag (Freitag)
Zunächst musste ich eine Person füttern. Danach hatten wir die Gelegenheit mal selbst mit Rollstühlen zu fahren...
Außerdem konnte ich mit einem 101 Jährigen zu sprechen. Der hat immerhin die beiden Weltkriege erlebt...
Außerdem durfte ich an einer Andacht teilnehmen. Die Bewohnerin ist nach einem Schlganfall komplett gelähmt. Die Frau hört den ganzen Tag truriges Klaviergeklimper. Ob sie das will ist unklar- sie kann es nicht mitteilen. Man weiß noch nichtmal ob sie es überhaupt wirklich bewusst mitbekommt. Die Pfarrerin hat dort einen Gottesdienst gehalten. Hat also gebetet und einen Psalm gesprochen. Das schlimmste war, als sie angefange hat zu singen...
Das macht die jeden Tag- später hat sie zugegeben, das sie jedesmal fasst weint.


nun zum Eigentlichen:
Ich bin froh, dass ich dort war. Ich habe gesehen, was wem Menschen noch alles mitteilen können.

Ich habe gesehen, dass es ganz gut ist, wenn man im Alter geistig nicht mehr klar ist und nichts mehr mitbekommt.
Ich nehme da das Beispiel des 101 Jährigen. Der ist geistig noch so ziemlich ganz da.
Der erlebt jeden Tag wie sein Körper weiter zerfällt (ist inzwischen Bettlägerig). Mir hat erzählt, dass er als er vor 4 Jahren gekommen ist, noch von seinem Schwiegersohn irgendwo hingefahren werden konnte- das geht jetzt nicht mehr. Er hat 75 Jahre mit seiner Frau zusammengelebt. Die ist vor einigen Jahren gestorben. Er muss jetzt jeden Tag ohne sie leben.
Das stelle ich mir als sehr belastend vor. Da kann es besser sein, einfach gar nichts mehr zu merken- denn dann leidet man auch nicht unbedingt.


Ich habe mitbekommen wie bedrückend das ganze Altenheim ist. Man wird immerwieder mit dem Tod Konfrontiert- und mittendrin helfen Ehrenamtliche. Respekt!

Ich werde nie vergessen wie dieser Gottesdienst war. Ich bin froh dabei gewesen zu sein- möchte sowas aber NIE wieder erleben.

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