Samstag, 12. April 2008

Rettet die Bahn!

Wie versprochen, schreibe ich nun noch etwas über die Bahn in Deutschland.
Heute werde ich über Konzepte informieren, die die Bahn aus ihrer derzeitigen Krise (die auch durch die Politik hervorgerufen wurde,) befreien kann.

1. Mehr Geld für öffentliche Verkehrsmittel: Unsere jetzige Bundesregierung unter Verkehrsminister Tiefensee hat die Zuschüsse für den Schienenverkehr drastisch gekürzt. Eine Schande meiner Meinung nach. Jeder hat ein Recht auf vernünftige Beförderung. Außerdem unterstützt die Bahn die Wirtschaft durch einen schnellen Transport von Gütern, verhilft zu höheren Zahlen in der Tourismusbranche durch bequemeres Erreichen der Ferienorte und verhindert die fortschreitende Entleerung von abgelegenen Regionen.

2. Investition in die Fläche: Nicht nur Großstädte, sondern auch ländliche Regionen brauchen eine gute Verkehrsanbindung. Schon heute erkennt man, dass abgelegene Gegenden einen starken Bevölkerungsschwund zu verzeichnen haben. Wieso? Niemand möchte dort leben, wo man 2 Stunden braucht, um seinen Arbeitsplatz im nächsten Oberzentrum zu erreichen. Zudem fahren auf dem Lande nur selten Verkehrsmittel. Heute leben die Menschen lieber am Rande einer Großstadt, aber dennoch im Grünen mit guter Verkehrsanbindung. Somit kann die Investition in die Fläche wenigstens ein bisschen Komfort in die Provinz bringen.
Großstädte verfügen bereits über ein gut ausgebautes Netz an Verkehrsmitteln und benötigen daher weitaus weniger Förderungsgelder als die ländliche Gegend.

3. Reaktivierungen: Viele wichtige Eisenbahnverbindungen sind stillgelegt, obwohl sie über eine beträchtliche Anzahl von Fahrgästen verfügen könnten. Es sind teilweise Verbindungen, die wichtige Städte miteinander verbinden, aufgrund von nahegelegenen tourisitischen Attraktionen punkten könnten oder durch Industriegebiete mit hohem Güterverkehrsaufkommen mit LKWs führen. Diese Strecken sind für die Wirtschaftlichkeit der Bahn von hoher Bedeutung. Zu solchen Strecken zählen z.B. die Strecken Frankenberg-Korbach, Gießen-Londorf, Böblingen-Renningen, Lüchow-Dannenberg oder Flensburg-Niebüll (mit Durchbindung von Kiel nach Westerland). Oft wurden Bahnlinien auch stillgelegt, weil sie beispielsweise über Viadukte verfügten, die einer Renovierung bedurften. Diese waren der Bahn schlicht und einfach zu teuer und sie ließ diese Strecken einfach schließen. Wäre hier eine Renovierung nicht schon eher angebracht, sodass sich die Instandsetzungskosten in Grenzen halten? Oder wollte man die Bahn gezielt vergammeln lassen? So z.B. Bad Wildungen-Korbach. Bis Anfang der 90er gabs hier sogar eine Durchbindung mit einem Schnellzug nach Amsterdam. Wer kann sich das heute noch vorstellen? Noch ein ähnliches Beispiel: Braunschweig-Celle, eine ehemals bedeutende Verbindungsachse zwischen einer der wichtigsten Städte Niedersachsens. Ab den 60er, 70er Jahren erlebte die Bahn ihre schlimmste Zeit: Solide Gewinne von einzelnen Bahnlinien wurden gezielt von oberen Behörden abgeschöpft, um diese Linien für unwirtschaftlich zu erklären. Kaum jemand kennt den Hintergrund. Die Politik spielte ein schmutziges Spiel: Bahnlinien sollten heruntergewirtschaftet werden, um die Automobilindustrie anzukurbeln. Das erklärt die selbst heute noch andauernde Vernachlässigung der Bahn. Schaut euch die Bahnhöfe auf dem Land und die Fahrpläne an. Was glaubt ihr, weshalb viele Regionalbahnen so langsam sind? Aber dazu später was, ich will nicht allzu viel vorwegnehmen.
Reaktivierungen müssen sein, um einen flächendeckenden, angenehmen, mit wenigen Umstiegen und schnellen Bahnverkehr zu garantieren.

4. Der Takt: Es muss ein vernünftiger Fahrplan eingeführt werden, der der Bevölkerung ein zumutbares Fortkommen ermöglicht. Gerade aufgrund des vielerorts ausgedünnten ÖPNV sehen viele als einzige Alternative das Auto. Wenn man Menschen auf dem Land fragt, warum sie lieber mit dem Auto fahren, werden sie antworten, dass die öffentlichen Verkehrsmittel nur selten verkehren. Fragt man bei den Verkehrsbetrieben nach, weshalb so wenige Verbindungen bestehen, sagen diese, dass es zu wenige Fahrgäste gibt. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden.

5. Viele Langsamfahrstellen aufheben: An vielen Stellen, wie z.B. an Bahnübergängen, darf ein Zug nicht schneller als 20 km/h fahren. Man muss sich Gedanken darüber machen, welche Langsamfahrstellen nicht aufgehoben werden könnten. Oft handelt es sich auch um Bahnübergänge, die nur selten benutzt werden, wie bei Feldwegen. Wenn einige dieser Stellen aufgehoben werden, bedeutet dies eine erhebliche Verbesserung des Fahrkomforts durch schnellere Verbindungen. Außerdem schont es die Umwelt, wenn der Zug nicht vor jedem kleinen Feldwegübergang abbremsen muss und dahinter wieder Gas gibt.

6. Mehr Haltestellen: Sehr viele Orte, die direkt an der Bahn liegen, haben keine einzige Haltestelle. Ich kenne eine Bahnstrecke in Schleswig-Holstein zwischen Husum und Jübeck. Es ist eine Querstrebe zwischen 2 Hauptstecken. Auf dieser Querstrebe gibt es keinen einzigen Halt mehr, obwohl der Steckenabschnitt relativ lang ist. Ich frage mich, wer mit dieser Bahn überhaupt noch fährt. Wohl doch nur die, die vom Anfangs- bis zum Endbahnhof fahren möchten. Die Wiedereröffnung von zahlreichen Haltepunkten bedeutet eine Steigerung der Kundenfreundlichkeit bei steigenden Fahrgastzahlen.

7. Haltestellen in Bedarfshalte umwandeln: In manchen Orten mit Bahnhof oder Haltestelle steigen keine Leute ein oder aus. Ich spreche mich dafür aus, alle Haltestellen oder Bahnhöfe von kleineren Orten, sofern es keine Kreuzungsbahnhöfe sind, zu Bedarfshalten zu erklären.
Der Grund liegt auf der Hand: Für jedes unnötige Wiederanfahren nach dem Stehen am Bahnhof bedeutet mehr Umweltverschmutzung, höherer Verschleiß, höherer Energieverbrauch und daraus ergeben sich höhere Kosten. Bedarfshalte existieren bereits mancherorts, aber eben noch zu selten. Viele Verkehrsverbünde sträuben sich gegen Bedarfshalte, da sie meinen "es sehe nicht fein aus", so viele Haltestellen dieser Art zu haben. Totaler Unsinn meiner Meinung nach.

8. Bahn-Privatisierung verhindern: Sobald man das Netz neoliberalen Profitsüchtigen überlässt, wird sich der Zustand und der Service der Bahn von Tag zu Tag verschlimmern. Übrig bleiben nur solche, die die Profitgier am schnellsten befriedrigen und das sind die Hauptverkehrsachsen in oder nach Großstädten, da diese natürlich mehr Fahrgastzahlen zu verbuchen haben, als das kleine Provinz-Bähnchen, das für die Abdeckung des ÖPNV im ländlichen Raum auf jeden Fall auch wichtig ist. Dass so viele Menschen auf dem Land mit der Bahn fahren wie in der Stadt ist aufgrund der geringeren Einwohnerzahl unrealistisch, sondern man sollte die Bahnfahrten pro Kopf sukzessive steigern.


Einige werden jetzt sagen, dass es zwar schön ist, was ich fordere, aber nicht zu finanzieren. Auch darüber habe ich mir Gedanken gemacht. Also, hier meine Finanzierungsvorschläge:


1. Umverteilung der Ausgaben für den Verkehr: Der Staat investiert aus dem Etat für den Verkehr 50% für den Straßenbau und die Unterhaltung, 30% für den Schienenverkehr und den Rest für den Schiffs- und Flugverkehr. Ich würde vorschlagen: 50% für den Schienenverkehr, 25% für Straßenbau und Straßenunterhaltung, 15% für den Schiffsverkehr und 10% für den Flugverkehr. Denn die Bahn brauch Einiges an Geld, um eine Renaissance erleben zu können.

2. Weniger Geld für Prestigeobjekte, die sowieso nichts nützen: Der Plan, dass der Transrapid vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen fahren sollte, war eine der größten Lachnummern.
Was bringt es, eine Strecke von 40km vom Transrapid bedienen zu lassen? Der Transrapid wird erst gar nicht warm und die derzeitige S-Bahn München tut´s für 40km doch auch, oder?
Ähnliche unnötige, aber bereits ausgeführte Projekte sind der Neubau des Berliner Hauptbahnhofes, die Regio-Tram in Kassel (wobei ich sagen muss, dass diese tlw. doch nicht ganz so sinnlos ist (Reaktivierung der Bahn bis Hessisch Lichtenau)). Hoffentlich werden die Pläne für das Riesen-Projekt "Stuttgart 21" noch revidiert.

3. Kerosinsteuer einführen: Ich frage mich, weshalb der Kraftstoff für das umweltschädlichste Verkehrsmittel noch nicht versteuert wird. Das erwirtschaftete Geld kann dem ÖPNV zugute kommen.

4. PKW-Maut einführen: Auch das Auto ist nicht gerade umweltfreundlich. Mit der PKW-Maut können die Leute dazu bewegt werden, häufiger öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Neben der Verwendung des Geldes zur Unterhaltung der Straßen, könnten, soweit noch etwas davon übrig bleibt, Bus und Bahn davon profitieren.

5. Deutlich härtere Strafen für Verkehrssünder: Deutschland hat einer der niedrigsten Bußgelder für nicht angemessenes Fahrverhalten. Erst kürzlich las ich in der HNA, dass Niederländer, die hier in Hessen Urlaub machen, ihr Bußgeld ohne wenn und aber sofort zahlen. Das soll angeblich daran liegen, dass bei ihnen daheim ganz andere Maßstäbe zur Bestrafung angewandt werden und das Rasen für Niederländer in Deutschland sozusagen ein Schnäppchen ist. Das Geld, das dadurch eingenommen wird, wird in die Polizei, in den ÖPNV, in die Rentenkasse oder irgendwo anders, wo es gebraucht wird, investiert.

Wenn noch Geld übrig bleiben sollte, könnte dies für niedrige Fahrpreise sorgen, vielerorts könnte die personenbediente Fahrkartenausgabe wieder öffnen oder Schaffner könnten eingestellt werden, was wiederum eine Besserung des Service bedeutet. Zudem gäbe es keine Schwarzfahrer mehr.



Auf Kommentare bin ich gespannt! Bald noch mehr, besonders was den Zustand von verschiedenen Bahnhöfen anbelangt.

Kommentare:

Mr. Anderson hat gesagt…

Der Forderung nach höheren Investitutionen kann ich nur begrüßen. Eine Umverteilung würde jedoch schon reichen. Es gibt zahlreiche ICE-Strecken in Deutschland. Ist zwar zu Begrüßen-lohnen tuen sie sich jedoch auch in 50Jahren noch nicht. Also nicht nur in Prestige investieren.

Reaktivierung etc. muss natürlich sein.

Eine Privatisierung ist abzulehnen. Man kann von keiner Privatfirma erwarten, dass sie etwas anderes versuchen als Geld zu verdienen. Das darf bei der versorgung der Bevölkerung jedoch kein Ziel sein.

Die Langsamfahrstellen bestehen meist, weil die Bahn ihre Strecken nicht wartet.

Ich bin jedoch gegen eine Erhöhung der Strafen. Man sollte sich vielleicht mal Gedanken darüber machen, wie die verteilt sind.
Falschparken kostet bis zu 60€. 30km/h Geschwindigkeitsüberschreitung kostet jedoch nur 50€. Unfair.

Auch gegen die PKW Maut bin ich. Das würde nur unwesentlich höhere Einnahmen bringen, da man dann einfach die Autobahn meidet. Die Anwohner an kleinen Straßen haben dann eine große Lärmbelastung...

Bergdoktor hat gesagt…

Ja, OK, das Gerechtigkeitsmaß bei der Verteilung von Strafen sollte schon überprüft werden. Dennoch sollten im Zuge dessen die Strafen insgesamt härter ausfallen. Im europäischen Ausland wird dies schon so gehandhabt und der Staat kann Geld gut gebrauchen. Und das nicht nur im Verkehrsetat sondern vor allem in der Rentenkasse.

Zur PKW-Maut: Wenn für viele die Autobahn aus Kostengründen wegfallen würde, würden aber auch viele auf die Bahn umsteigen, da diese oft ein schnelleres Fortkommen als mit dem Auto auf der Landstaße ermöglicht. Somit würden mehr Leute mit dem Zug fahren. Ich weise darauf hin, das dies nur ein Teil des Konzeptes ist, mehr Menschen auf die Schiene zu bringen.

Mr. Anderson hat gesagt…

Naja. Die leute würden nicht so einfach umsteigen!
Man sollte nicht das Auto so unattraktiv machen, dass die Bahn akzeptabel wird, sondern die Bahn attraktiver