Freitag, 18. Januar 2008

Wie christlich ist die CDU?

Ich zähle die Tage bis zur Landtagswahl: 9 sind es noch an der Zahl. Da wird es Zeit, ein besonders heikles Thema anzusprechen, das die CDU angeht: Nämlich ihre scheinchristliche Ausrichtung. Gerne rühmen sich ihre Mitglieder, Christdemokraten zu sein. Doch haben sie ihren Titel wirklich verdient? Ich sage nein. 7 gute Gründe hierfür:

1. Die CDU lehnt einen allgemeinen Mindestlohn ab. Dies begründet sie damit, dass er den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands gefährde. Liebe CDU, wenn in der deutschen Wirtschaft ein Aufschwung zu spüren ist, dann möchte ich doch wenigstens einen kleinen Anteil in Form des Mindestlohns an ihm haben. Ich betone: Der Mindestlohn ist die untere Schmerzgrenze. Und selbst dort möchte die CDU der Bevölkerung keinen minimalen Anteil gewehren. (ausführlicher Artikel zum Thema "Mindestlohn" siehe "Wertvolle Arbeitsplätze?"

2. Die Erhebung der Studiengebühren ist für die CDU gerechtfertigt. Sie möchte dadurch die technische Ausrüstung der Hochschulen modernisieren. Das ist ja alles schön und gut mit der Modernisierung, nur auf der anderen Seite werden die übrigen Zuschüsse, die die Hochschulen von der Landesregierung bisher bekamen, höchstwahrscheinlich drastisch gekürzt. Die Erhebung der Gebühr ist also nur eine Verlagerung der finanziellen Verantwortung für die Universitäten vom Land Hessen auf die Studenten. Studiengebühren vernichten das Prinzip der Chancengleichheit und sind daher aus menschlicher Sicht nicht hinnehmbar. Da helfen auch keine Finanzierungsvorschläge vonseiten der CDU für Studenten. (ausführlicher Artikel: Studiengebühren - sozial gerechtfertigt????)

3. Die Progressiv- oder auch Reichensteuer lehnt die CDU ab. Dies bedeutet, dass ihr der christliche Aspekt der Gerechtigkeit egal ist.

4. Ein Gegner des Kündigungsschutzes ist die CDU ebenfalls. Wieder eine sehr unhumane und damit unchristliche Entscheidung.

5. Die von SPD, Grünen, Linken und freien Wählern geforderte Gemeinschaftsschule betrachtet die CDU als eine Einheitsschule ohne besondere Förderungsmöglichkeiten, obwohl Studien im skandinavischen Ausland das Gegenteil beweisen. Daneben besitzt die CDU die Dreistigkeit, die Gemeinschaftsschule als "sozialistische Rolle rückwärts" zu bezeichnen, womit sie diese Schulform als eine Ausgeburt des ehemaligen Ostblocks ansieht, was völliger Unsinn ist. Wir wissen, das diese Schulform sehr weit verbreitet ist. Auch im Westen. Außerdem hat die CDU die Gunst der Stunde genutzt, um noch einmal eine äußerst schmutzige Propaganda gegen linke Politik zu machen.

6. Gegen eine Höchstgrenze für Spitzenverdiener oder für deren Abfindungen spricht sich die angeblich so christliche Partei ebenfalls aus. Was mag das wohl bedeuten? Hat vielleicht so mancher CDU-Mann schon eine lukrative Stelle in einem Aufsichtrat eines Energiekonzerns in Aussicht und möchte seinen zu erwartenden hohen Verdienst nicht missen?

7. A propos Energiekonzerne: Von der Vertretung moralisch-ethischer, religiöser Werte dürfte bei der Vorstellung der Engergiepolitik der CDU erst recht keine Rede sein. Solange befürwortet wird, dass Kohle- und Ölkraftwerke übermäßig CO2 in die Luft schleudern und Atommüll abgeladen wird, hat dies für mich nichts mehr mit verantwortungsvoller, vertretbarer Energiepolitik zu tun.
Unserer Möchtegern-Klimakanzlerin sind die CO2-Grenzwerte aus Brüssel für Neuwagen wohl zu hoch? Sie sagt, die deutschen Autobauer würden durch diese Regelung unverhältnismäßig groß benachteiligt. Auch durch die Kürzung der Regionalisierungsmittel und durch die großen Pläne für den Autobahnbau signalisiert sie, nicht besonders am Klimaschutz interessiert zu sein. Müsste der Umweltschutz aus ethisch-moralischen Gründen denn nicht vor der Wirtschaftlichkeit stehen?

Über Kommentare freue ich mich immer.






Kommentare:

Mr. Anderson hat gesagt…

Ich muss leider in vielen Punkten der CDU zustimmen.

4. Ein Gegner des Kündigungsschutzes ist die CDU ebenfalls. Wieder eine sehr unhumane und damit unchristliche Entscheidung.

Eine Lockerung des Kündigungsschutzes würde eine Abwanderung der Unternehmen bremsen.


5. Die von SPD, Grünen, Linken und freien Wählern geforderte Gemeinschaftsschule betrachtet die CDU als eine Einheitsschule ohne besondere Förderungsmöglichkeiten, obwohl Studien im skandinavischen Ausland das Gegenteil beweisen.

Ich bin ebenfalls Gegner der Gemeinschaftsschule.


6. Gegen eine Höchstgrenze für Spitzenverdiener oder für deren Abfindungen spricht sich die angeblich so christliche Partei ebenfalls aus.

Ich spreche mich auch dagegen aus. Warum sollte der Staat das recht haben zu bestimmen wieviel man bekommen darf? Wie hoch sollte die Grenze denn sein?

7. A propos Energiekonzerne: Von der Vertretung moralisch-ethischer, religiöser Werte dürfte bei der Vorstellung der Engergiepolitik der CDU erst recht keine Rede sein. Solange befürwortet wird, dass Kohle- und Ölkraftwerke übermäßig CO2 in die Luft schleudern und Atommüll abgeladen wird, hat dies für mich nichts mehr mit verantwortungsvoller, vertretbarer Energiepolitik zu tun.

Die Linie ist besser als die von anderen Parteien, einen Atom Ausstieg zu fordern und dafür Kohlekraftwerrke zu bauen.

Unserer Möchtegern-Klimakanzlerin sind die CO2-Grenzwerte aus Brüssel für Neuwagen wohl zu hoch? Sie sagt, die deutschen Autobauer würden durch diese Regelung unverhältnismäßig groß benachteiligt.

Da hat die Merkel sogar recht. Es ziehlt nämlich nur darauf ab, gegen deutsche Firmen vorzugehen. Andere Europäische Fiormen die nur Kleinwagen bauen haben dadurch einen enormen Vorteil.

Bergdoktor hat gesagt…

Könnest du deine Aussagen vielleicht etwas präzisieren oder begründen? Du brauchst meine Thesen nicht immer zu wiederholen. Es reicht, wenn man weiß, wovon du sprichst.

Mr. Anderson hat gesagt…

Zu Punkt 4.
Momentan ist der Kündigungsschutz einfach zu stark. Dadurch stellen viele Unternehmen erst gar keine Leute an.

Zu Punkt 6
Was geht das den Staat an, wieviel Geld ich verdinene? Steuern kriegen die auch so.

Bergdoktor hat gesagt…

Punkt 5 hast du leider immer noch nicht begründet. Außerdem soll es hier eigentlich nicht darum gehen, was du gut findest, sondern was aus christlicher Sicht vertretbar ist. Trotzdem ist es nicht schlecht, eine Debatte über das Thema allgemein anzufangen.
Ich muss ehrlich sagen, dass du mich besonders im Punkt 6 erschreckt hast. Diese neoliberale Einstellung hätte ich bei dir nie erwartet. Du müsstest doch selbst wissen, dass es einfach nicht angehen kann, dass Leute, wie Ackermann oder andere Manager sich die Taschen vollstopfen und ihre"Sklaven" in den finanziellen Ruin treiben. Vielen bleibt noch nicht einmal der Mindestlohn übrig. Gerade du als Linker weißt doch, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft und dann sprichst du dich gegen Spitzenabfindungen für Manager und dergleichen aus? Siehst du den Punkt überhaupt, weshalb ich und andere Linke so stikt dagegen sind? Ich denke, das ist eine unserer wichtigsten Thesen, eine wirklich subtantielle Forderung der sozialistischen Reihen. Entschuldige bitte, aber ich bin schon relativ enttäuscht von dir. Eine solch kapitalistische Einstellung hätte ich nie von dir erwartet.

Mr. Anderson hat gesagt…

Meiner Meinung nach geht es den Staat nichts an, was der einzelne Verdient.

Wenn jemand großes leistet soll er auch den Lohn dafür bekommen.
Wenn ich eine Firma gründe und diese über Jahre hinweg zu Erfolg bringe. Warum sollte ich dann kein Lohn für das Risiko und die Leistung für die Gesellschaft bekommen?

Wieviel sollte den ein Manager bekommen dürfen?

Bergdoktor hat gesagt…

Es geht hier nicht darum, ob es den Staat etwas angeht. Es geht hier darum, dass sich Manager auf Kosten von Angestellten, denen der Lohn auch noch gekürzt wird, mal eben 20000€ mehr aus der Firmenkasse nehmen, weil sie das so wollen. Ist das nicht ein schreckliches Bild? Die Gehälter der Manager steigen ins Unermessliche und dem kleinen Angestellten wird das Gehalt sogar gekürzt. Und dann protestieren die Bonzen auch noch gegen Mindestlohn. Findest du das etwa gerecht und ethisch-moralisch vertretbar? Du warst doch beim Thema "Mindestlohn" auf meiner Seite, warum nicht auch bei "Höchstlohn"? Du findest also, Ackermann habe Großes geleistet, in dem er durch seine Habgier Existenzen zerstört hat? Du findest das in Ordnung, dass Angestellte nichts mehr als Dreck sind, dass man mit ihnen alles machen kann, was man will, ja? Hauptsache ich, ich brauch Geld. Andere sind mir egal. Und wenn ich mein Geld nicht kriege, dann hol ich´s mir eben von meinen Angestellten oder werfe sie raus. Schöne Einstellung!

Ich weiß nicht, wie hoch die Grenzen sein sollen, auf jeden Fall nicht zu hoch. Das muss aber auch von Fall zu Fall entschieden werden. Ackermann hätte überhaupt nichts verdient. Doch: Den Knast - wegen Verbrechen an der Menschlichkeit.

Mr. Anderson hat gesagt…

Nimmt man Wendelin Wiedeking. Er ist deutschlands Bestverdienender Manager (sehr sehr viele Millionen pro Jahr). Klingt ungerechtfertigt? Ohne ihn Wäre Porsche anfang der 90er Pleite gegangen. Dadurch hat er viele Tausend Jobs gerettet. Angemessen oder nicht?

Es gibt natürlich Manager die die Firmen ruinieren und dafür auch noch Geld beziehen. Genauso gibt es auch einfach arbeitende Angestellte die ihren Job nicht richtig machen.

Das schwierige ist, dass man nicht festsetzen kann was angemessen und was es eben nicht ist. Setzt man einfach ein Maximal Bezug von 100000€ im Jahr fest würde schnell ein Problem entstehen: Sämtliche Manager würden sich einen Job im Ausland suchen, weil sie dort besser bezahlt werden. Die die niemand will beleiben in Deutschland. Ein unvorstellbarer Wirtschaftlicher Schaden.

Ach ja: Für Mindestlohn bin ich weiterhin, weil es nicht sein kann, dass Menschen für weniger Geld arbeiten als sie zum Leben brauchen. Dies belastet den Staat unnötig.