Donnerstag, 17. September 2015

Sozialer Aufstieg?

Kaum ein Artikel der sich mit sozialer Gerechtigkeit und Bildung beschäftigt, der nicht immer die gleiche Argumentation verfolgt. Kinder wohlhabender Eltern machen häufiger Abitur und haben später die besseren Jobs. Das läge am unfairen System. Insbesondere Kinder aus Migrantenfamilien oder Arbeiterkinder seien benachteiligt.


Diese Argumentation ist falsch - in vierlerlei Hinsicht. Zuerst basiert sie auf der Annahme der Gleichheit. Man nimmt gleiche kognitive Voraussetzungen bei Kindern an. Tatsächlich ist Intelligenz erblich sowie erworben - das allerdings weitgehend vor der Einschulung. Folglich dürfte man nur Kinder mit gleichem IQ vergleichen. In den ganzen Erhebungen die die vermeintliche Ungerechtigkeit aufdecken fehlt dies. Wie groß also die Ungleichbehandlung ist, kann man kaum sagen. Wie erwähnt sind weite Teile der Intelligenz erblich. Da Intelligenz und beruflicher Erfolg zusammenhängen, verwundert es kaum, dass wohlhabende Eltern eher intelligentere Kinder haben.
Vermutlich werden die größten Teile der Ungleichheit dadurch aufgehoben. Insbesondere durch die hohe Abiturientenquote (teilweise über die Hälfte eines Jahrgangs) lässt kaum Raum für unterschätzte Schüler.

Dennoch gibt es Unterschiede im Detail. So werden bei Kindern bei denen die Schulempfehlung unsicher ist, gut Akademiker eher aufs Gymnasium drängen, während Arbeiter die Realschule gut heißen. Dies dürfte allerdings nur für eine sehr geringe Menge relevant sein. Bei der Mehrheit der Schüler ist die Empfehlung eindeutig.

Und später? Nach dem Abitur werden die Unterschiede größer. Mit Abitur ist schließlich erstmals kognitive Chancengleichheit vorausgesetzt. Dennoch steigen Arbeiterkinder in geringerem Umfang auf. Die Gründe dafür liegen weniger in einer Diskriminierung - an der Hochschule kennt kein Dozent die Herkunft. Viel mehr kommt es zu einer Selbstselektion und veränderten sozialen Startbedingungen.
Arbeiterkinder wählen häufiger klassische prestigeträchtige Berufe, während Akademikerkinder auch in vielen anderen Studiengängen zu finden sind. Durch die besseren ökonomischen Startbedingungen können Akademikerkinder risikofreudiger und inhaltsvoller ins Berufsleben starten - eine Voraussetzung für Aufstieg. Dennoch kein Grund zur Sorge: Die studierten Arbeiterkinder werden eines Tags ebenfalls Akademikerkinder haben...

Samstag, 30. Mai 2015

Oh nein! Schlimmer Geburtenrückgang!

Es gibt wieder eine neue Studie die den Geburtenmangel in den Diskurs stellt
http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/arbeitskraeftemangel-droht-wegen-geringer-geburtenrate-13618671.html

Zum einen ist diese ein schönes Beispiel wie man mit Zahlen Menschen verwirren kann. In Deutschland kommen jährlich 8,2 Geburten auf 1000 Einwohner. Im Niger sind es 50! Rein zufällig vergisst man dabei die Werte um Kindersterblichkeit und die generelle Lebenserwartung zu korrigieren. Eine tatsächliche Geburtsquote je gebährfähiger Frau wäre hier das sinnvollere Maß.

Tatsächlich ist Deutschland aber trotzdem am unteren Ende der Geburtsrate. Allerdings liegen auch viele andere Industriestaaten unter 10 Kindern je 1000 Einwohner. Um die Bevölkerungszahl konstant zu halten, wären in etwa 12 Neugeborene pro Jahr und 1000 Einwohner nötig. In Europa schaffen das nur Frankreich, Großbritannien und Irland.



Da stellen sich mehrere Fragen: Ist das ein Problem? Was sollen wir dagegen machen?


Ein Problem ist dies grundsätzlich schon. Unser Rentensystem basiert auf einem Bevölkerungswachstum und qualifizierte Arbeitnehmer werden in Zukunft fehlen. Im ländlichen Raum werden Orte nahezu aussterben.

Gegen die Abwanderung vom Land hilft allerdings auch eine hohe Geburtenquote nicht. Genauso ist ein auf Bevölkerungswachstum basierendes Rentensystem zum Scheitern verurteilt. Hier sollte man eher das System ändern.

Im Bezug auf Arbeitsplätze ist das Problem allerdings durchaus schon heute spürbar. Betrieben fällt es zunehmend schwerer qualifziertes Personal zu bekommen. Abhilfe versprechen mehrere Möglichkeiten. Als erstes sollte man dringend in Bildung investieren. Wir klagen über Fachkräftemangel, akezptieren aber eine jährliche Ausfallrate von 10% der Schulabgänger. 10% die zu schlecht qualifziert sind um als Fachkraft geeignet zu sein. Hier sollte man ansetzen und die Quote senken. Allein dadurch ließe sich das Problem erheblich abmildern. Jedes Prozent das als berufsfähig eingestuft wird, entspricht 10.000 Arbeitskräften. Ausgleichen kann man damit allerdings den geburtenrückgang nicht.
Man kann dann entweder massiv auf Familienpolitik oder auf Migration setzen. Ersteres ist nur in gewissen Grenzen sinnvoll. Es ist erstrebenswert durch eine verbesserte Familienpolitik (Kitaplätze, Ganztagsbetreuung) Familien zu ermöglichen Kinder zu bekommen. Viele Familien wären unter diesen Umständen bereit mehr Kinder als bislang zu großzuziehen.

Der andere Punkt ist definitiv Migration. Diese bietet viele Vorteile, jedoch auch Risiken. Weshalb sollen wir viele Milliarden an Steuergeldern in Kinderbetreuung stecken, wenn Fachkräfte zu uns kommen wollen? Für uns ist dies günstig und einfach. Man muss lediglich so viele Migranten haben, wie man braucht. Die Risiken liegen in der Integration. Wenn man dieses Thema strukturiert angeht, kann eine erfolgreiche Integration sichergestellt werden.
Nur ein großes Problem entsteht dadurch. Nicht bei uns, sondern in den Herkunftsländern. Wenn die Fachkräfte das Land verlassen, bleiben die Unqualifizierten in der Heimat. Insbesondere Schwellenländer werden so ausgebeutet, da sie erst in Bildung investieren, dann aber die besten Kräfte verlieren. Andererseits sehen es viele Nationen als eine Chance. Die Migranten unterstützen durch Überweisungen ihre Familie in der Heimat und kurbeln so die heimische Wirtschaft an.

Montag, 20. April 2015

Energiewende ist auch im kleinen machbar!

Die bayrische Regierung lehnt große Stromtrassen von der Nordsee und brandenburgischen Kohlekraftwerken in die süddeutsche Provinz ab. Was zunächst kleingeistig klingt, erscheint aber als gute Idee.

Mit den neuen Stromtrassen und den riesigen Offshore-Windparks versucht man Energiepolitik der 1950er Jahre auf das 21. Jahrhundert zu übertragen.

Genau das ist aber ein Fehler. Bei Kraftwerken ist es sinnvoll vereinzelt sehr große Anlagen zu bauen. Das ist effizienter und deutlich günstiger. Bei erneuerbaren Energien ist es nur bedingt sinnvoll Großprojekte zu starten. So ist die Offshore-Stromerzeugung weit teurer als Windenergie vom Festland und auch teurer als Kohlestrom. Die Abhängigkeit von Großanlagen macht das Energiesystem sehr ausfallempfindlich. Profiteure davon sind Großkonzerne die solche Projekte realisieren können.

Sinnvoller ist es die Energie zu erzeugen wo man sie braucht. Kleine Windparks in der Region können bereits große Teile des kommunalen Energiebedarfs decken. Arbeitsplätze entstehen dann auch in der Region und die Wertschöpfung kann bei den lokalen Grundversorgern verbleiben. Da Windkraft allein nicht versorgungssicher genug ist, braucht es weitere Bestandteile der Energieversorgung. Dazu zählt die Photovoltaik und die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Erstere kann als Park gebaut werden oder auf vielen Dächern jeder Stadt.
KWK sind in verschiedenen Größen realisierbar. Als Anlage die ein ganzes Wohngebiet mit Strom und Wärme versorgen kann, genauso wie viele kleine Anlagen die in einzelnen Gebäuden stehen.
Zusätzlich sind Speichermöglichkeiten hilfreich.


So würde Windenergie in der Region erzeugt werden. Strom kommt tagsüber großteils durch Photvoltaik. Sollte der Energiebedarf daraus nicht gedeckt werden, kann durch eine zentrale Steuerung mehr Strom aus den KWK in Sekundenschnelle abgerufen werden.


Allerdings erfordert dies eine staatliche Hilfe. So wird Sonnenstrom aus der heimischen Photovolatikanlage kaum noch gefördert. Während man 25ct/kwh als Kunde im Einkauf zahlt, bekommt man für die Einspeisung derzeit lediglich 12ct/kwh. Eine Energiewende sieht anders aus. Allerdings werden derzeit Speicherbatterien attraktiver. So kann der gewonnene Strom zunächst selbst verbraucht werden. Das Haus selbst wird deutlich autonomer. In Zukunft wären dafür unter Umständen auch Akkus von Elektroautos denkbar. Eine staatliche Förderung für Photovoltaik- und SPeichersysteme im Sinne einer Kaufprämie wäre zielführend und immer noch günstiger als die Subvention für Kohlestrom.

Nicht zuletzt bedarf es aber auch etwas Zwang. Die Energiewende als solches ist schön und gut. Leichter wird sie wenn der Energieverbrauch begrenzt wird. Hier ist es Aufgabe der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik strengere Auflagen für den Hausbau zu stellen. Zwar werden regelmäßig die Bauvorschriften verschärft, sind zu jedem Zeitpunkt allerdings sehr zurückhaltend. Um eine Isolierung eines Neubaus kommt heute kein Bauherr rum, allerdings ist auch nicht viel mehr nötig. Die KFW fördert Häuser die nur 70% des erlaubten Energiebedarfs zeigen. Dies sollte keine Fördergrenze sein, sondern verpflichtend umgesetzt werden! Genauso können einzelne Länder und erst recht Kommunen strengere Auflagen festlegen. Eine wohlhabendere Stadt könnte für ein Neubaugebiet durchaus den Passivhausstandard vorschreiben. Genutzt wird es bislang selten. Stattdessen reguliert man lieber die Dachfarbe...

Dienstag, 24. März 2015

Wohnbau aber richtig!

Im deutschen Wohnbau gibt es zurzeit eine fatale Fehlentwicklung. In Städten baut man nur noch zwei Typen von Wohnungen: Luxuslofts und Sozialwohnungen. Letztere entweder als Auflage für Investoren oder durch städtische Wohnungsbaugesellschaften. Während die Luxuswohnungen hervorragend laufen, funktioniert letzteres nur durch die Not der Mieter.

Was seit mittlerweile 30 Jahren fehlt, sind durchschnittliche Wohnungen und dies insbesondere für Familien. Durch Kürzungen im sozialen Wohnungsbau in den 80er Jahren kam dieser zum Erliegen und hat sich fatalerweise auch nicht weiter entwickelt. Abgesehen von rechtlichen Bestimmungen wie dem Brandschutz baut man heute günstige Wohnungen wie 1980, während im Premiumsegment der Fortschritt rasant lief. Dazwischen ist eine große Lücke entstanden.

Eine Wohnung auf mittlerem Niveau würde man heute mit 20-30% größeren Fenstern bauen und als Niedrigenergiehaus (mit Lüftung) konzipieren. Ein ansprechender Fußboden (darf auch Kunststoff sein, dann aber hochwertig) und eine Fußbodenheizung runden das Angebot schnell ab. Dazu kommen Aufzüge und helle Gänge. Der Außenbereich müsste lediglich mit etwas Rasen und niedrigen Büschen aufgebessert werden. Ein Verschlag zur sicheren Abstellung der Fahrräder wäre ebenfalls zeitgemäß. Allein mit diesen sehr kleinen Maßnahmen würde die Wohnqualität spürbar steigen und den modernen Ansprüchen genügen. Der Bau als solcher würde höchstens um wenige Prozent teurer, allein weil die Hauptkosten sowieso durch die Baulandpreise entstehen. Die Quadratmetermiete würde nur um wenige Cent steigen und tendenziell sogar durch die niedrigeren Nebenkosten ausgeglichen.

Zusätzlich bräuchte man Wohnungszuschnitte die der Lebensralität genügen. Gebaut wird oft nach den Vorgaben des SGB II und weniger dem was die arbeitende Bevölkerung benötigt. Faktisch bedeutet dies mittelgroße Zimmer in ausreichender Anzahl, wobei die Küche durchaus als Wohnküche akzeptiert werden kann. So würde man mit 25-30m² für ein Wohnzimmer/Wohnküche rechnen. Weitere Zimmer sind typischerweise heute 14-18m² groß. Gerade letztere werden heute in größerer Menge benötigt. Neben Wohnzimmer und Schlafzimmer wird heute oft ein Arbeitszimmer/Zusatzraum benötigt. Dazu kommen typischerweise 1-3 Kinderzimmer. 4-6 ZKB werden für moderne Familien benötigt und fehlen derzeit komplett.

Das Problem der Baulandgröße wird zusätzlich durch Stellplätze bedingt. Neben den Fahrradplätzen werden auch PKW Stellplätze benötigt. Optimal ist zwar eine Tiefgarage, jedoch auch sehr teuer. Stellplätze lassen sich in moderaten Umfang durch ein Angebot von Carsharingfahrzeugen an den Wohngebäuden sparen.



So würde man Städte für alle Teile der Bevölkerung attraktiv halten. Derzeit werden Berufstätige aus den Städten vertrieben. Da eine junge Familie oft keinen WBS erhält aber gleichzeitig zu arm für eine Luxuswohnung ist, bleibt nur der Umzug in ein Haus auf dem Land. In vielen Fällen noch nichtmal ganz freiwillig. Aufgrund der großen Pendlerströme muss der Staat derzeit das beim Hausbau gesparte Geld in den Ausbau der Straßen stecken. Durchdacht ist das nicht.


Aufgabe der Städte wäre es jetzt die Bebauungspläne zu ändern. Statt Mileuschutz und Mietpreisbremse bräuchte es klare Anforderungen für den Wohnungsbau. Sprich einen Bebauungsplan für jedes Stadtviertel für die nächsten 10 Jahre. Hier kann man dann durchaus Fenstergrößen oder Niedrigenergie vorschreiben. Denkbar ist auch ein Zertifikathandel. So müsste für jeden Quadratmeter Luxus 2m² für niedirges oder mittleres Wohnniveau im gleichen Stadtteil entstehen. Sollte ein Investor das nicht leisten können, muss er Bauprojekte anderer Investoren bezuschussen.
Trotz allem werden die Städte nicht um eine Neuauflage der Zuschüsse für den sozialen Wohnungsbau rum kommen.

Mittwoch, 18. März 2015

EU-Armee?

Die EU braucht eine eigene Armee! Die Idee dazu taucht seit Jahrzehnten immer wieder auf und wird wieder verworfen. Dennoch wäre es sinnvoll sie endlich zu Gründen.

Die Armee wäre weit mehr als ein Bündnis wie die NATO, sondern würde eine engere Bindung der europäischen Staaten ermöglichen. Die Schlagkraft der Armee würde erhöht bei gleichzeitig sinkenden Kosten.

Idealerweise wäre diese Armee freiwillig, wodurch nicht jeder EU-Staat teilnehmen muss oder darf. Funktionieren würde sie bereits bei einem kleinen Anteil europäischer Staaten.
Als erste Stufe wäre es sinnvoll Teilaufgaben zu definieren und zu vergeben. Die meisten Bereiche einer jeden Armee werden in großen Mengen und überall benötigt. Fallschirmjäger braucht jede Armee. Allerdings gibt es auch bestimmte Bereiche die nur selten oder in geringen Mengen benötigt werden. Eine Verteilung auf einzelne oder mehrere Mitgliedsstaaten würde vieles verbessern.

Als Beispiel wären hier Kampfpanzer zu nennen. Sie galten als Statussymbol einer Nation im kalten Krieg. Dank asymetrischen Konflikten haben sie in den vergangenen 20 Jahren jedoch stark an Bedeutung verloren. Die Bundeswehr hält derzeit nur eine marode Grundausrüstung vor. Also eine geringe Menge Panzer und viel, dafür alte, Infrastruktur für Panzer. Also spezielle Mobilbrücken und Transportfahrzeuge. Da man noch nicht ganz darauf verzichten kann, wäre es hier sinnvoll wenn nur 1/3 der Mitgliedsstaaten über Panzer verfügt und das dann in mittlerer Menge.
Insbesondere bei Sonderanwendungen hat eine europäische Armee große Vorteile. So braucht weiterhin jeder Staat eine Luftwaffe. Aber Jagdflugzeuge braucht höchstens jede vierte Nation. Ein anderer Fall ist die Logistik. Aus Kostengründen setzt die Bundeswehr derzeit voll auf den Airbus A400M als Truppentransporter. Der ist im Gegensatz zur alten Transall jedoch nicht geeignet für sehr kurze Startbahnen und zusätzlich deutlich schwerer. Andererseits ist er aufgrund seiner mittleren Größe zwar geeignet für den Transport in Krisengebieten, nicht jedoch für große Mengen oder große Distanzen. Die in Deutschland verwendete Panzerhaubitze 2000 kann damit nicht transportiert werden. Hier wäre es von Vorteil wenn es ein Land gäbe das mehrere besonders große Transportflugzeuge (z.B. C-17A) vorhält.

Die zu klärende Frage wäre lediglich die Verwendung von besagtem Material. Hier müsste ein Abstimmungssystem gefunden werden unter welchen Bedingungen ein Einsatz dieser Armee möglich wäre. Aber da die meisten Systeme in mehreren Ländern vorgehalten würden, sollte es kein Problem sein ein Land zu finden das bereit zur Unterstützung wäre.

Dienstag, 17. März 2015

Vermögenssteuer

Bezugnehmend auf diesen Artikel Zeit Artikel zur Vermögenssteuer möchte ich meine Gedanken dazu äußern. Der Autor fordert eine Vermögenssteuer und errechnet sich viele Milliarden (bis zu 10Mrd€ jährlich) bei einer Besteuerung von Vermögen über 1Mio Euro mit einem Prozent jährlich.


Diese Idee ist nur auf dem ersten Blick logisch. Dem Vorschlag liegt die Annahme, das Vermögen läge in Form von Geld auf dem Konto, zugrunde.
Tatsächlich handelt es sich dabei um das Gesamtvermögen. Das enthält neben dem Geld auch Dinge wie das Eigenheim und insbesondere Firmenvermögen. Ein Vermögen jenseits einer Million hat also jeder Familienunternehmer mit einer gar nicht so großen Firma. Man bedenke einfach mal was ein Fabrikgelände mit ein paar Maschinen wert ist. Da ist die Million in jedem produzierendem Betrieb sofort überschritten.
Auch die Forderung "kleine und mittlere Betriebe" auszunehmen klingt nur anfangs logisch. Ein Großbetrieb ist in Europa ein Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. An der Stelle sollte man bedenken, dass viele als mittelständisch wahrgenommene Betriebe für gewöhnlich mehr Angestellte haben. Selbst eine einzige Baumarktfiliale kann über 400 Beschäftigte haben.

Den Besitz einer gar nicht so großen Firma möchte man so besteuern, weil es sich dabei natürlich um Vermögen handelt. In meinen Augen der falsche Weg. Deutschland lebt von vielen mittelständischen Unternehmen, die auch alle Steuern zahlen. Das zusätzlich zu besteuern erscheint da nicht sinnvoll. Die Familienunternehmen sind die, die Deutschland seit 200 Jahren stark machen.


Generell ist es eine Frage des Ziels. Gerechtigkeit sollte man immer herstellen indem man Benachteiligten hilft und nicht den "Gewinnern" schadet. Gerechter wird es dadurch nur auf dem Papier. Oder einfach gesagt: Wenn alle nichts haben ist das vielleicht gerecht, aber nicht erstrebenswert.
Will man eine solidere Staatsfinanzierung haben, führt nichts an zusätzlichen Steuern vorbei. Hier ist das Vermögen sogar genau der richtige Weg. Einkommenssteuer benachteiligt systembedingt die, die für ihr Geld etwas leisten. Vermögen erhält man im Zweifel ohne Eigenleistung. Das ist weder gerecht, noch ist es ein Zustand der übermäßigen staatlichen Schutz bedarf.

Wenn man am vermögen teilhaben möchte, kann die Antwort nur die Erbschaftssteuer sein. Für ein Erbe hat der Erbende für gewöhnlich nichts geleistet außer verwandt zu sein. Hier sollte sich der Staat beteiligen. Eine moderate Erbschaftssteuer ohne große Freibeträge wäre optimal. Die kann jeder Zahlen und würde mangels Ausnahmen auch sehr gerecht wirken. Bei lediglich 10% auf jedes Erbe über 100.000€ würde der Staat schlagartig viele Milliarden einnehmen. Das würde für Unternehmensübernahmen genauso gelten wie für Privatvermögen. Alle würden belastet, aber niemand übermäßig. Es gibt aber einen simplen Grund warum dies bislang fast nie gefordert wird: Man würde dann merken wie das Vermögen wirklich verteilt ist. Sicher gibt es ein paar Milliardäre mit Großkonzernen, aber viel Vermögen hat sich in ganz normalen bürgerlichen Familien angesammelt. Bereits heute kann man problemlos ein großes Einfamilienhaus und ein kleines Mehrfamilienhaus besitzen und letzteres auch vermieten. Steuer müsste dafür nach heutigem Erbrecht nicht gezahlt werden. Auch das trägt nicht zur Chancengleichheit bei. Auch hier: 10% könnte jeder Erbe zahlen. Nur sind Wählerstimmen in Gefahr wenn eine Besteuerung geschenkten Vermögens die vermeintlich armen Wähler treffen könnte.


Donnerstag, 12. Februar 2015

Frauen bleiben kürzer in Vorständen

Die Meldung ist bekannt:
Wenn Frauen mal in eine Führungsposition kommen, bleiben sie nicht lang. Viele gehen innerhalb kürzester Zeit. Statistisch bleiben sie noch nicht mal halb so lang wie ihre männlichen Kollegen.


Gründe dürfte es zwei geben (die ein wenig zusammen hängen):

Der erste betrifft Männer genauso, geht aber bei denen in der Masser eher unter. Dazu muss man betrachten wann ein Arbeitsplatz in der Chefetage frei wird. Das ist typischerweise der Ruhestand der FK oder ein Rauswurf. Gerade letzteres kommt in Großkonzernen oft vor. Wenn der Umsatz zurück geht und die Zahlen rot werden, wollen die Aktionäre eine Lösung sehen. Typischerweise ist das ein neues Gesicht in der Führungsetage. Dummerweise liegt das Problem des Konzerns oft nicht wirklich bei der gekündigten Kraft - daher ändern sich die Konzernzahlen nicht schnell genug. Da die Aktionäre aber sofort eine Veränderung wollen wird erneut gekündigt. Bei manchen Konzernen gibt es gefühlt monatlich eine Meldung über einen Wechsel im Führungskreis.
Wenn ein Unternehmen nun also mehr Frauen in Führungspositionen will, kann es diese natürlich nur auf freie Posten setzen - Ergebnis wie oben.
Prinzipiell haben Männer das gleiche Problem - hier fällt es weniger auf, weil die Statistik von den langfristig besetzten Posten dominiert wird.


Der zweite Grund hängt stark am ersten dran. Grundsätzlich möchte man Frauen fördern. Das hat man vor ein paar Jahren erkannt und unternimmt da auch einiges. Allerdings ist die Unternehmensspitze dominiert von Managern jenseits des 50. Lebensjahrs. Der Führungsnachwuchs ist mindestens Mitte vierzig. Also die Mitarbeiter, die vor 30 Jahren ihr Studium begonnen haben. In der Industrie hat man da besonders gerne Ingenieure (neben BWLern). Vor 30 Jahren hat allerdings kaum eine Frau ein technisches Fach studiert - und selbst wenn wurde sie damals kaum gefördert.
Frauen sind für Aufsichtsräte und Managementposten hoch begehrt, allerdings gibt es fast keine. Derzeit gibt es zwei Frauen denen man in Deutschland die Position eines technischen Aufsichtsrat zutraut. Beide sind bestens versorgt.
Genau das dürfte der Grund für das häufige Scheitern sein. Wenn es offenbar kaum hinreichend qualifizierte Frauen auf dem Arbeitsmarkt gibt, aber trotzdem Stellen besetzt werden sollen, muss man auf eher weniger Qualifizierte zurückgreifen.
Gerade in Krisensituationen wird es besonders deutlich. Oft wurde bereits durch vorherige Wechsel der hochqualifizierte, konzerninterne Nachwuchs verbrannt. Man greift dann auf die zweite Reihe (also weniger erfahrene Kräfte aus dem mittleren Management) oder externe Bewerberinnen (die den Konzern und oft auch die gesamte Branche) nicht kennen zurück. Es fällt an diesen Stellen immer wieder auf, dass die vorgestellten Managerinnen erstaunlich jung sind (teils keine vierzig Jahre alt).

Es verwundert natürlich nicht, dass eine Frau mit weniger Erfahrung und ohne Branchenkenntnis nicht mit den viel erfahreneren männlichen Kollegen mithalten kann.


Eine Lösung für das Problem? Gibt es nicht. Viele Frauen hätte man erst ein paar Jahre später rekrutieren sollen. Dann hätten die Konzerne ein gutes Aushängeschild gehabt. So werden Frauen mit viel Potenzial verbrannt, denn nach einem öffentlichen Rauswurf hat es eine Frau ähnlich schwer wie ein Mann woanders Fuß zu fassen.

Sonntag, 24. November 2013

Der Aktionismus der Managergehälter

Die Schweiz hat heute darüber abgestimmt Managergehälter zu deckeln. Hier schlug man vor, ein Geschäftsführer dürfe maximal den zwölffachen Lohn des am geringsten bezahlten Arbeitnehmers im Betrieb erhalten. Die Schweiz hat zu 65% dagegen gestimmt. Zu recht!
In Deutschland kommt außerdem gerne die Forderung einer generellen Deckelung der Gehälter auf 500.000€ im Jahr an den Tag.

Diese Forderung kommen in der Bevölkerung gut an und zeigen wie neidzerfressen die Bürger sind. Man kann mit Recht die sich öffnende soziale Schere anprangern. Nur wäre es da nicht sinnvoll etwas gegen den Zustand der Armen zu machen anstatt nur dafür zu Sorgen, dass die Reichen weniger reich sind? Dem Niedriglöhner ist dadurch nicht geholfen wenn der Boss weniger verdient. Genau genommen zieht er daraus nur einen Schaden.

Es gibt mehrere Optionen für eine folgende Entwicklung bei einer solchen Klausel:

Die unwahrscheinlichste wäre tatsächlich eine Gehaltserhöhung aller Mitarbeiter. Die kommt garantiert nicht. Sehr viel wahrscheinlicher ist das Outsourcing von Kräften. Also die ganzen Geringverdiener arbeiten bei Fremdunternehmen und werden so nicht einberechnet. Im schlimmsten Fall als Scheinselbstständige wodurch sie sozial noch schlechter abgesichert wären.
Die Manager können offiziell an einer Außenstelle der Firma beschäftigt werden wo diese Regelung nicht gilt. Ist aber rechtlich schwierig. Wahrscheinlicher wäre es wenn, dass die Führungskraft ins Ausland geht, wenn viel Geld lockt. Zurück bleiben dann die, die auch nicht mehr Geld wert sind. Oder anders gesagt... wer bleibt für 500.000€ im Jahr wenn er auch 2 Millionen haben kann?

Freitag, 23. August 2013

Die Minijobfalle

Grundlage: http://www.zeit.de/2013/34/arbeitsmarkt-minijobs-altersarmut Es wird gerade wieder berichtet jeder dritte Deutsche hätte eine Teilzeitarbeitsstelle. Insgesamt sieben Millionen Minijobber gäbe es und und 2,66 Millionen von denen kombinieren einen Minijob mit einer anderen Arbeitsstelle. Ist das schlimm? Nur teilweise. Die generell hohe Teilzeitquote ist der steigenden Erwerbstätigkeit von Frauen mit Kindern geschuldet. Hier besteht oft der Wunsch nach einer Beschäftigung um finanziell unabhängig zu bleiben und sich die berufliche Qualifikation zu erhalten (wer will jemanden nach 10 Jahren Pause haben?). In wie vielen Fällen ökonomische Zwänge dahinter stehen ist unklar. Genauso ist die Teilzeitbeschäftigung oft gewünscht da gerade Frauen ihre Kinder beim Aufwachsen begleiten wollen und sie nicht nur von der Kita abholen und ins Bett bringen wollen. Das Problem liegt eher in den Minijobs. Aufgrund der fehlenden Sozialversicherung erscheinen sie für Arbeitnehmer sehr attraktiv. Arbeitgeber sparen dadurch zwar wenig gegenüber dem Midijob (451-850€) haben aber auch deutlich weniger Aufwand in der Abrechnung. Und genau hier liegt die Falle. Ein Minijob ist zunächst attraktiv - aber sehr schwer wieder zu verlassen. Der Lohn kann niedrig sein (Brutto=netto) und der Arbeitgeber trägt kaum Verantwortung. Ein Wechsel in ein umfangreicheres Beschäftigungsverhältnis (Midijob oder mehr) erfolgt zu selten. So werden eher mehrere Minijobs angenommen als eine Vollzeitstelle zu nehmen. Der Staat verliert auch hier viel Geld weil sich so vor Steuerausgaben gedrückt wird. Sinnvoller wäre eine Ersetzung des Minjobs durch den Midijob und die Einführung von Jahresfreibeträgen bezüglich der Sozialversicherung der Arbeitnehmerseite. So wäre es für den Betrieb unattraktiv weiterhin viele Minijobber zu beschäftigen.

Montag, 6. Mai 2013

Wie die Drosselcom dreifach kassieren kann

Die Telekom hat angekündigt ab 2016 eine Volumenbegrenzung für ihre Festnetztarife einzuführen. Dies wären 75gb im Monat für einen normalen DSL Anschluss und 200gb monatlich für einen schnellen VDSL-Anschluss (nur in wenigen Gebieten verfügbar).

Man muss der Telekom an dieser Stelle gratulieren. Die heutige Ankündigung lässt viele Bürger kalt - das Problem scheint wen nicht zu betreffen. 2016 wird es anders aussehen. Einige Gründe warum die Drosselung doch alle betrifft - sogar Kunden die gar nicht bei der Telekom sind.

  • Der Traffic ist sowieso schnell aufgebraucht. 75gb klingen erstmal viel - nur mit ein paar Mails und Websites verbraucht man keine 5gb im Monat. Allerdings sieht die Rechnung ganz anders aus wenn mehr als eine Person mit mehr als einem Gerät den Anschluss nutzt. Eine vierköpfige Familie mit mehreren Endgeräten (Handy im WLAN) kann schon mit mäßiger Nutzung heute an die 75gb rankommen. Zwar brauchen Websites wenig Traffic - aber Videos dafür umso mehr. Wer also öfters Videos auf Youtube in hoher Auflösung sieht kann schon bei einstündiger Nutzung mehrere Gigabyte verbrauchen. Also einer Familie die auch Videos im Internet sieht werden 75gb nicht reichen. Möglicherweise noch nicht einmal 200gb.
  • Der Bedarf steigt. Während vor 10 Jahren der gewöhnliche User maximal ein Gigabyte im Monat verbraucht kann ein einzelner ambitionierter Nutzer heute locker über 100gb im Monat verbrauchen. Multimediaangebote nehmen somit immer weiter zu. Der neueste Trend ist die Fernseh- und Filmübertragung über das Internet. Hier kommen für einen Film im zukünftigen 4K-Format locker 50gb zusammen. Für einen einzigen Film wohlgemerkt. Der User auf dem Land könnte keine zwei Filme im ganzen Monat sehen. Das ist heute noch eine Randerscheinung - wird jedoch voraussichtlich in den kommenden Jahren den klassischen Fernsehmarkt verdrängen.
  • Die Telekom verzerrt den Markt. Man möchte die Netzneutralität aufheben. Netzneutralität bedeutet, dass jeder Datensatz der irgendwie versendet wird absolut gleichwertig ist. Nichts ist schneller oder langsamer. Die Telekom bietet jetzt Unternehmen an gegen Geld ihre Website nicht in den Trafficverbrauch einfließen zu lassen. So hat das telekomeigene Fernsehprodukt "Entertain" einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz die bei einer Drosselung - die durch Fernsehen schnell erreicht wird - ihr Produkt nicht dem Kunden anbieten könnten. Entertain wird dann weiterhin verfügbar sein.
  • Man nötigt die Konkurrenz zur Drosselung. Sicher man kann den Internetanbieter wechseln. Nur wird dies nicht möglich sein. Wenn die Telekom drosselt werden natürlich die Kunden wechseln die von der Drosselung als erstes betroffen sind. Dies sind kostenintensive Kunden. Sie nutzen das Netz voll aus im Gegensatz zu Kunden die den Internetanschluss fast nie nutzen. Um sich also vor den teuren Kunden zu schützen werden auch die anderen Anbieter die Drosselung einführen.


Insgesamt findet die Telekom so den Weg gleich dreifach abzukassieren. Zuerst beim Kunden. Der zahlt weiterhin einen gleich hohen Preis für seinen Internetanschluss. Kommt er in die Drosselung muss er erneut Geld zahlen um die Drosselung aufzuheben. Hier wird also schon das zweite Mal kassiert obwohl dies technisch nicht nötig wäre. Das dritte Mal ist die indirekte Form. Wenn Streamingdienste (Filme, Fernsehen usw.) in Deutschland weiterhin Kunden haben möchten müssen sie der Telekom Geld zahlen um eine schnelle Durchleitung zu erhalten. Diese Kosten werden natürlich auch auf die Kunden umgelegt.

Man kassiert jetzt also dreimal sehr viel Geld - um eine Leistung zu erhalten die dann immer noch weit unter dem Niveau anderer Staaten liegt.